DADADA Hella de Santarossa, Malerei

23.02.2012 10:15

24.2.-5.4.2011 Galerie Saloon SU DE COUCOU

DADADA – da denkt man zuallerst an „Trio“, die Band die Anfang der Achtziger mit diesem damals total aus dem Rahmen fallenden Song Furore machte und dann, natürlich und ohne Umschweife, kommt einem das Kinderwort DADA in dem Sinn, nach dem sich 1916 die künstlerische und literarische Bewegung nannte, aus dem später der Dadaismus wurde. DADA schrieb sich die Ablehnung „konventioneller“ Kunst und bürgerlicher Ideale auf die Fahnen. Von der Bewegung gingen gravierende Impulse auf die Kunst der Moderne aus, denn es war eine Revolte gegen die Kunst von Seiten der Künstler selbst, sie lehnten die Gesellschaft ihrer Zeit und deren Wertesystem komlett ab, das hatte es so noch nicht gegeben.
DADA das klingt scheinbar banal, steht aber für das Gegenteil, nämlich den totalen Zweifel an allem und so ersetzte man mit einem heute kaum noch denkbaren Mut die durch Disziplin und die gesellschaftliche Moral bestimmten künstlerischen Verfahren durch einfache, willkürliche und meist zufallsgesteuerte Aktionen.

Die Gruppe Trio war eine Band, die während der Neuen Deutschen Welle 1982 bekannt wurde, sich aber von jener distanzierte, war einem Minimalismus verschrieben, der so grotesk war, daß er Veränderungen lostrat.

Die neue Ausstellung in der Galerie Saloon SU DE COUCOU versucht das kaum noch Denkbare:
Ein "Neben der Spur sein", ein Hinsehen auf Umgedachtes,  ein ungezogenes Nein - so nicht: DADADA.
Und das tun die KünstlerInnen auf sehr unterschiedliche Weise.
Beginnen wir wir mit den Werken der bekannten in Berlin lebenden Künstlerin Hella des Santarossa. Wir zeigen von ihr Arbeiten aus der Serie RIM-RAM-RUM, großformatige Mischtechniken aus den Jahren 1988 - 1990, die entstanden weil DADADA der Künstlerin jahrelang der Kinderreim "Ri-ra-rutsch, wir fahren mit der Kutsch" im Kopf herumspukte. Pure Bewegung, fast abstrakt, fast Höhlenzeichnung. Klar, das die Serie kaum das sie entstand, in die Hände bekannter Sammler überging. Wir mussten uns Mühe geben, die Arbeiten aus dem Herzen der Künstlerin loszueisen, die besten Arbeiten, zurückbehalten für die Ewigkeit, die Spitze des Ruhms. Frech, heiter, lasziv, tänzerisch. Zarte Figuren, expressiv. Kunstgeschichte, zeitlos revoltierend, gegen jegliche Umzäunung, Bilder die den Kern treffen, das Beste in Dir, den Schmelztiegel von Lust und Verstand.

Fast jeder kennt Hella de Santarossas Obelisken auf dem Theodor-Heuss-Platz. Wenig später und letztendlich  im Zusammenhang mit dem Fall der Berliner Mauer entsteht der Zyklus »Rim-Ram-Rum«. Die Bilderserie war auch Vorlage für die gigantischen Fensterwände der Künstlerin am Haupteingang der Messehallen und bilden das Thema des Bilderfrieses  im Fraktionssaal der SPD im Reichstagsgebäude. Energetisch, dynamisch und skizzenhaft abstrahierte Figuren, die Spontaneität und Zeitlosigkeit verkörpern. Perfekt dazu passend, sehen wir außerdem eine weitere später entstandene Mischtechninik, eine Astronautin, in voller Montur, die wie losgelöst zu einem rosa Planeten unterwegs ist.
Wo gibt es denn so was! DADADA - in der Galerie SU DE COUCOU.

Sabine von Bassewitz räumt mit ihrer Serie "Unisono" mit der gängigen Sichtweise auf ein Thema auf, das Vielen von uns recht vorbelastet erscheint. Ja, die Uniform hat einen schlechten Ruf, wir assoziieren mit ihr den stumpfen Gleichschritt des Militärs, Gleichschaltung und Unauffälligkeit. Sie gilt als Synonym für Konformismus und als Gegenpart zu Individualität. Doch wenn  man als Minderjährige "Mädchen in Uniform" geliebt hat, DADADA, kann man sich dem Thema auch anders nähern. Sabine von Bassewitz nähert sich dem Thema mit Sorgfalt und Wertschätzung, wir haben aus 33 Arbeiten Zwölf ausgewählt, doch die Serie umfaßt weit mehr Exponate, die wir Ihnen auch in Buchform vorstellen möchten. Wir sprechen - DADADA - hier über die freiwillige Uniform, die  mitunter auf sehr fantasievolle Weise gemeinsame Standpunkte an die Außenwelt kommuniziert und nach Innen einen Raum zum Ausleben von Ritualen, sowie das Gefühl von Gemeinschaft und Geborgenheit bietet. Die Uniform bietet ihren Trägern die Möglichkeit, einen sehr speziellen Teil ihrer Persönlichkeit zu visualisieren, DADADA, jenseits des Alltags. So bekommt der Bürger inmitten der gesellschaftlichen Zwänge die Möglichkeite zum Spektakel der Selbstinszenierung. Wir zeigen Kontraste: Den »Summer of Resistance«, eine studentische Protestgruppe gegen Studiengebühren in Hamburg und daneben die Burschenschaft Germania Königsberg, dann Gothic People und die »Rosa Funken«, den schwulen Traditionskorps im Kölner Karneval. Außerdem ein Abbild der LEG III, der italienisch römischen Garnison von Regensburg, gezeigt von einer studentischen Reenactment-Gruppe, dann die Freiwillige Feuerwehr aus Hamburg-Nienstedten und die »Starlets Cheerleader« aus Norderstedt. Absolut grandios wirken die Star Wars-Rollenspieler aus Esslingen neben dem Trachtenverein St. Georgen aus dem Schwarzwald und dem Trachtenverein in Lechgau, Bayern. Wie aus einer anderen Welt kommen die Ministranten der katholischen Kirchengemeinde Heilig Kreuz in Hamburg-Neugraben  daher, kontrastiert von der »Harburger Schützengilde von 1528 e.V.«, einem Schützenverein in Hamburg-Harburg.
Seit Dezember 2011 ist »Unisono« Teil der ständigen Sammlung »Kulturkontakte. Leben in Europa« des Museums Europäischer  Kulturen in den Staatliche Museen zu Berlin.

David von Bassewitz wählt einen anderen Weg. Er nähert sich dem Mensch als eingefleischtem Mysterium. Historische Persönlichkeiten werden durch die ungewöhnliche Kombination von künstlerischen Techniken - Zeichnung trifft Frottage - exzentrische Wesen.  Der Künstler liebt es mit seiner Arbeit Abgründe und Geheimnisse zu entdecken und auf Verdecktes hinzuweisen.  DADADA. Von Bassewitz möchte  beim Verstehen entmystifizieren und sich hineinstürzen in Unbekanntes. Wie im Tanz begriffen wirkt sein Rodeoreiter, durchgeknallt das voresrst steife militärische Gruppenfoto mit Hund. Menschen wollen, müssen Neues schaffen, Verborgenes erfahren. Von Bassewitzs Zeichnungen sind zart und brutal, entlarvend. Strich für Strich wird Wahrheit offenbart, visuell, ohne Pathos, aber mit Liebe zum Detail. Der Künstler verschreibt sich mit seinem Können Extremsituationen, seine Neugierde ermöglicht uns darum Grenzüberschreitung. Er geht die ganz großen Themen an, in seinen gegenständlichen Illustrationen und auch in den freien Arbeiten.
David von Bassewitz erhielt für seine Zeichnungen bereits 3 x Gold auf dem New York Festival of International Advertising, 3 x ADC Europe Gold, 5 x ADC Deutschland Silber, Lead Award Silber, sowie zahlreiche weitere ADC Auszeichnungen, wie den Silver Lion of Cannes, Golden Award of Montreux, Le Grand Prix de la Bande Dessinée Européenne.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch KünstlerInnen vereinben Sie telefonisch unter: 0151-52509248

Mit freundlichen Grüßen
Lena Braun, Kuratorin

Finissage, Do 5.4.2012, 19h
Lena Braun feiert ihren Geburtstag
Galerie Su de Coucou
Weserstraße 202, 12047 Berlin-Neukölln, Mo-Fr 14-19h, 030-896 43 139 und nach Vereinbarung 0151-52 50 92 48 info@sudecoucou.net
Die Galerie Saloon SU DE COUCOU ist ein Projekt des SOLARIS Kunst-Fördervereins Berlin e.V. in Kooperation mit Lena Braun studioxxberlin

www.sudecoucou.net

 

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